Georg von Opel + Fritz Brumme

Der Rudersport lag Georg von Opel (1912 – 1971) in den Genen. Schon sein Vater Carl von Opel war ein großer Freund und Gönner des Rudersports

Georg von Opel´s Generation war geprägt vom zweiten Weltkrieg. Geboren 1912 als Enkel von Adam Opel erhielt er im Alter von 16 Jahren durch den Verkauf der Adam Opel AG an General Motors ein beträchtliches Vermögen. Er investierte sein Geld zusammen mit seinem Onkel Dr. Fritz von Opel in verschiedene Unternehmen unter anderem in die Opel Automobile Verkaufsgesellschaft, einem Opel Vertragshändler auf der Mainzer Landstrasse in Frankfurt mit 26 Niederlassungen in Hessen.

In dem Gebäude der Hauptniederlassung gründete er die Opelit Bootswerft, die die ersten Rennboote Zweier und Vierer mit im Bug liegendem Steuermann baute, die sich erfolgreich in vielen Vereinen und bei Meisterschaften durchsetzten.

Das erste Großereignis im Rudersport überhaupt waren die Olympischen Spiele in Deutschland 1936 auf der Regattastrecke in Berlin Grünau. Es gab die Ruderer Zellen, die von den Machthabern des „Dritten Reiches“ gefördert wurden. Aber es gab auch die Primaner des Ruderclub „Wiking“ Berlin, die sich im Achter gegen alle Gegner durchsetzten und letztlich nur knapp im Endlauf der Olympischen Spiele dritter wurden. Überhaupt waren die Olympischen Spiele 1936 das  Erfolgserlebnis für den Deutschen Rudersport.

Georg von Opel hat diese Zeit miterlebt – wie die Bilder beweisen, die bei den Olympia Vorbereitungen 1935/36 entstanden.

Das Engagement Georg von Opel´s als aktiver Ruderer mit 7 Deutschen Meistertiteln, Vereinsvorsitzenden der RG Rüsselsheim führte ihn in die Deutsche Olympische Gesellschaft (DOG), er war Mitinitiator der Stiftung Deutsche Sporthilfe (DSH) und er vertrat Deutschland von 1966 bis 1971 im IOC. Außerdem war er einige Jahre stellv. Vorsitzender des Deutschen Ruderverbandes – ein Ausdruck der Wertschätzung, den der Rudersport in der Region Mannheim/Mainz und Frankfurt genoss..

Flörsheim/Rüsselsheim: entscheidend waren zwei Ruder-Besessene  – Georg von Opel und Fritz Brumme. Die große Zeit Georg von Opels begann in einer sicher nicht einfachen Nachkriegszeit. Opel und Brumme gründeten die Renngemeinschaft Flörsheim / Rüsselsheim. Georg von Opel war aktiver Ruderer, der es in den Jahren zwischen 1928 und 1953 auf die damals stolze Zahl von 116 Siegen im „Senioren-Rudern“ brachte. Er errang Deutsche Meisterschaften sowohl im Einer, als Skuller, als auch im Achter als Riemenruderer und kaum einer blieb solange aktiv wie er.

Georg von Opel hatte viele moderne, neue Ideen, die nicht immer auf Gegenliebe bei den traditionsbewussten Vereinen stießen. Sein Konzept war „ auf den Regatten muss dem Publikum etwas geboten werden, dann kommt es auch“. Fast 25000 Menschen hatten auf der Flörsheim/Rüsselsheimer Regatta ihre Freude an dem Drumherum, den Hähnchen und Bratwürsten vom Rost, dem Cola und Wein, dem Riesenluftballon, den Schiffschaukeln und den Karussells an den Ufern. Begeistert wurden die Nerven kitzelnden Wasserskirennen des „roten Teufels“ Heli Lantschner und der Gebrüder Klausen, die hinter schnellen Motorbooten über den Main flitzten.

Das Wichtigste war und blieb das Rudern und damit blieb der ganze „Rummel“ doch nur ein Beiwerk.

Die Protagonisten der Regatta waren die Mannheimer Reichert Mannschaft im Vierer mit Stm., die Deutschen Meister, sowie die Germanen Glock-Hüllinghoff, die fast sieben Längen zwischen sich und das Meister-Duo aus Duisburg legten. „Gummi-Schäfer“, der im Einer Kurstreckenrennen in einem wilden Spurt Wilke und Opel „niederfuhr“ und der Germane Günter „Gandi“ Lange, seines Zeichens Hochschulmeister, der den Zweiten Senior Einer gewann und anschließend noch Kraft und Kondition hatte, um im Ersten Einer Meister Wilke das Fürchten zu lehren, ehe dieser sich schließlich doch durchsetzte.

Der Einer Ruderer Günter Lange – von Beruf Architekt – baute auf der Mainzer Landstrasse für Georg von Opels Firma ein modernes, gebogenes Dach für das  Gebrauchtwagenzentrums und am Opel Rondell eine runde Tankstelle. Beides waren  progressive Bauten für die Zeit vor dem herannahenden Wirtschaftswunder. (Erst kürzlich musste das Dach der Gebrauchtwarenzentrale einem Lebensmittel Discounter weichen. Das Autohaus übrigens meldete – mit 200 Millionen Euro Umsatz – am 16. Juni 2006 Insolvenz an.)

Ein Freund Georg von Opels war Fritz Brumme, der Meistertrainer aus Raunheim.  Kein deutscher Trainer, auch nicht der legendäre Karl Adam konnte auf so viele Erfolge als Ruderer und Betreuer zurückblicken wie Fritz Brumme. Allein für die Renngemeinschaft Flörsheim/Rüsselsheim stehen über 350 Trainersiege zu Buch. Dazu kommen Brummes Trainersiege in Frankfurt Höchst bei der Nassovia in den Jahren1961/63 mit dem Zweier mit Stm. Wolfgang Neuss und Klaus-Günter Jordan.

Fritz Brumme saß im Alter von knapp 23 Jahren am Schlag des RV Rüsselsheim und ärgerte sich über die Methoden seines Trainers. Er hatte 40 Siege errungen und es kamen ihm allerhand ketzerische Gedanken in den Kopf, über das Rudern im Allgemeinen und Trainingsmethoden im Besonderen.

Mehr Pädagoge, Psychologe als Einpeitscher, ließ Fritz Brumme  seine Ruderer nur wenige Male über die volle Distanz „schrubben“. Erst in den letzten Wochen vor wichtigen Meisterschaften wurde das Training etwas angezogen. Immer waren seine Teams auf die Minute fit. Ob in Flörsheim/Rüsselsheim oder später in Höchst.

Mit ständig wachsendem Erfolg entwickelte er  neue Trainingsabläufe. Aber Fritz Brumme war nicht nur ein einfühlsamer Trainer, sondern auch Ingenieur, Techniker und Tüftler, der in Verbindung mit der Opelit Bootswerft alles ausprobieren konnte. Er entwickelte einen Vorläufer des Ruder Ergometer, der bereits „Slides“ hatte und trainierte das Abscheren in der Rückenlage, um durch schnelles „Hände weg“ einen verstärkten schub des Bootes – einen Vortrieb – zu ermöglichen. Daneben wurden die sogenannten „Bäcker-Schaufeln entwickelt, Riemen in der Größe der heutigen „Hackebeilchen“. Ein von Brumme entwickelter schmaler Achter – mit einem Vierer Riss – startete nur einmal in Henley – und hing dann werbewirksam als Ausstellungsstück hoch oben im Brummes Fabrik.

Fritz Brumme, der zugab nie ein Fachbuch über Rudertraining gelesen zu haben, sah sich um, reiste zu großen Ereignissen wie dem Traditionsrennen Oxford – Cambridge oder der Henley Regatta. Manchmal nahm er auf diesen Reisen auch Ruderer mit, um – wie er sagte – ihr Blickfeld zu erweitern.

Nach einem Regattabesuch in Ostende  z.B. fuhr er kreuz und quer durch Belgien, um einen Bauern zu finden, der größere Mengen „Prinzess“-Kartoffeln liefern konnte für die Produktion der „Chio Chips“.

Denn einer der Betriebe war das Hofgut Petersau in Frankentahl, dem Hersteller der Knabberartikel „Chio Chips“. Der Name besteht aus den Initialen Carlo, Heinrich, Imgard Opel) Nach dem Tod Georg von Opel´s wurde er Geschäftsführer und  Berater aller Betriebe von Imgard von Opel – der Frau seines Freundes, da der Sohn Carlo von Opel (* 1941) noch zu jung war. (1978 wurde Chio Chips an „funny-frisch“ verkauft. Diese Firma ist heute Europas Marktfüher bei Kartoffelchips.

Georg von Opel´s Sohn Carlo von Opel – der den Betrieb Chio Chips auf- und ausbaute – leitet heute das Gut Petersau als umfangreicher Zuchtbetrieb für Pferde.

Als Unternehmer beschäftigte Fritz Brumme 800 Leute in der „Effbe“ Membranenfabrik, einem Zulieferbetrieb der Automobilindustrie. Brumme war leitender Angestellter der Adam Opel AG, die er nach dem Verkauf an General Motors verließ, um sich selbständig zu machen.

Der Name Fritz Brumme´s ist auch mit dem  Ruderclub Nassovia Höchst  verbunden, der  im März 2006 sein 125-jähriges Jubiläum feierte. Der Vorsitzende Eberhard Eichfelder, erfolgreicher Schlagmann im Vierer und Achter,  der seit 1984 der Nassovia vorsteht, ist übrigens erst der zweite Vorsitzende des Vereins in 53 Jahren. In der Festschrift wird über die erfolgreiche Zeit mit Fritz Brumme und dem Sieg auf der Weltmeisterschaft im Zweier mit Steuermann von 1962 wie folgt berichtet:

„Eine gute Jugendarbeit, die bis in die 80-er Jahre ganz wesentlich von Karl-Heinz Jäger verantwortet wurde und das Engagement zweier herausragender Trainer, Karl Bossak ab 1957 und Fritz Brumme ab 1959, führten die Nassovia in die Erfolgsspur zurück.

Die Zahl der Siege stieg auf Rekordhöhe und 1958 kündigte sich mit zwei Deutschen Jugendmeisterschaften im Achter und Vierer die große Zeit der Nassovia in den 60-er Jahren an.

Diese bis 1966 andauernde Erfolgssträhne wird von den Namen der Weltmeister im Zweier mit Steuermann des Jahres 1962, Wolfgang Neuss und Klaus Günter Jordan mit ihrem Steuermann Frank Steinhäuser, dominiert. Ihre Siege – Deutsche Meisterschaften, Henley, Europameisterschaft und schließlich der Welttitel – markieren einen absoluten Höhepunkt in der Geschichte der Nassovia.

Sie waren jedoch nicht die einzigen siegreichen Nassoven. In einer Zeit, da fast ausschließlich Renngemeinschaften die Regatten beherrschten, in Konstanz, Düsseldorf, Lübeck, Kiel und Ratzeburg Spitzenmannschaften auf Weltniveau ruderten, waren die Nassovia Mannschaften in der Deutschen Spitzenklasse immer gut vertreten.“

Doch zurück zu Georg von Opel. Als überzeugter Anhänger der Olympischen Idee hat er eine Diskussion um die Grundwerte der Olympischen Bewegung geführt. Er warnte vor Sensationssucht, immer neuen Rekorden, dem spezialisierten und umfassenden Training und  Leistung steigernden Mitteln.

„Der gesteuerte Sportler ist im Gegensatz zum „mündigen Athleten“ Spielball seines Verbandes, seiner Landessportorganisation, seiner Regierung und den Weltsportorganisationen. So wollen es auch die Massenmedien, Presse, Rundfunk und Fernsehen. Sie wollen nur Rekorde und Sensationen um jeden Preis. Dies ist aber der sichere Untergang des Amateursportlers. Der Sportler sollte wissen, dass ihm die zuteil werdende Förderung Grenzen hat. Nach wie vor und zu allen Zeiten wird die Mehrheit aller Sportler aus Liebe zum Sport, ohne jedwedes Entgelt im Amateursinn ausüben.“

Dies ist das Vermächtnis Georg von Opels, an das wir manchmal denken sollten und im Vergleich dazu die heutige Realität messen.

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